Europa in der Region - mal nachgefragt!

Wo stehen Stadt und Landkreis Osnabrück im Ranking der deutschen und europäischen Regionen? Wie steht es um Lebensqualität, Kaufkraft, Wirtschaftskraft, Beschäftigungsmöglichkeiten und Infrastruktur?
Anhand kürzlich durchgeführter Rankings werden wir mit Fachexperten die aktuelle Situation analysieren und mit den Teilnehmenden diskutieren.



Ewald:
Überblick, wo die Region Osnabrück mit Stadt und Landkreis im Ranking der deutschen Regionen steht, kleiner Ausblick auf Entwicklungschancen. Landkreis schneidet, was Kaufkraft angeht, sehr gut ab. Die Menschen verbinden mit Osnabrück nicht sehr viel, eventuell den westfälischen Frieden. Kaufkraft und Arbeitslosigkeit definieren den wirtschaftlichen Erfolg von Regionen. Deutschlandweit ist der Süden erfolgreicher, periphere Regionen im Osten oder in NRW eher nicht. LKOS mit Rang 192 von 400 überdurchschnittlich. Viel Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter in der Stadt. LKOS mit hoher Beschäftigungsrate von Frauen (Rang 43 von 400 deutschlandweit, niedersachsenweit sogar die beste Region). Schwäche: Verlust von Bevölkerung, gerade in der Gruppe der 25-30 jährigen, privat überschuldete Haushalte in der Stadt. Im Landkreis geringerer Anteil von Beschäftigten als in wissensintensiven Regionen, aber starke Facharbeiterschaft. Niedersachen insgesamt im deutschlandweiten Mittelfeld. Die Stadt Osnabrück ist im Ranking ein Absteiger, der Landkreis blieb gleich bei leichter Verbesserung er Beschäftigungsquote.
Für die Zukunft: Viele MINT-Absolvent/innen und KI-Start-Ups in der Stadt sowie gute Kooperation und Transfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft. Punktuelle Stärke im Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt.
Leicht unterdurchschnittliche Kaufkraft, Mittelfeld Region im IW Regionalranking mit punktuellen Stärken sowie Stärken bei ausgewählten Innovationskennziffern (= neue Beschäftigungsfelder möglich)
Fedler:
2025 sehr intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Entwicklungen und den Entwicklungschancen. Festgestellt., dass klare Leitlinien für die Entwicklung notwendig sind und wir mit den Stärken gemeinsam zwischen Stadt und Landkreis arbeiten müssen. Strukturen hinter den Kennzahlen. Ist der Kreis nun wirtschaftlich stark? Fördergebiet in der laufenden EU mit moderaten Strukturdefiziten. Wir haben ein starkes Fundament mit strukturellen Engpässen. Das widerspricht sich nicht, man muss es aus unterschiedlichen Perspektiven sehen.
IREK – Integriertes Regionales Entwicklungskonzept, nicht nur Analyse, sondern auch Lebensqualität und Daseinsvorsorge verbunden mit regionalem Wissen
Zentrale Erkenntnis: Robustes Fundament, sehr breit aufgestellt, wirtschaftliche Spezialisierung auf Agrar- und Ernährung, Autowirtschaft/Zulieferer, Gesundheit und Logistik. Arbeitslosenquote unter Landesdurchschnitt. Mittelstand, tragfähige Branchen und robuster Arbeitsmarkt. Zusammenspiel als Region. Stark verflochtener Wirtschaftsraum zwischen Stadt und Landkreis. Konzept, diese Stärken auszubauen. Engpässe z.B. bei der Frage, ob genug Ressourcen., z.B. bei Personal, Abwanderung junger Kräfte, Transformation der Unternehmen (Digitalisierung, Dekarbonisierung) mit entsprechenden Auswirkungen auf Arbeitsplätze, neue Prozesse. Flächen, nicht nur zusätzliches Gewerbe, Revitalisierung und Nachnutzung sowie interkommunal. Erreichbarkeit überregional super, aber Defizite in der alltäglichen Erreichbarkeit/ Mobilität im ländlichen Raum. Dies muss gelöst werden, um den Stand zu halten bzw. einen Ausbau wagen zu können.
Wichtiger Hebel: Innovation und Technologietransfer, noch stärker: Verbindungen zwischen Forschung und anwendungsbezogenem Mittelstand. Wie kann aus der Branchenstärke eine Innovationsstärke werden? Standortentwicklung selbst, Flächenbedarfe und (zunehmend) Energiebedarfe und Infrastruktur zusammen denken. Bei Gewerbeflächen geht es nicht mehr nur um Verfügbarkeit, sondern auch um die Qualität der Standorte. Energie muss verlässlich, verfügbar und regenerativ sein/werden.
Starke Substanz, nicht selbstverständliche Stärke und Kooperation, um Zukunftsfähigkeit entstehen zu lassen, sind unerlässlich.
Frage: Wie kommt das IREK „auf die Straße“ (in die Gemeinden und in die Stadt)?
Strakeljahn: Blick auf nördliches Osnabrücker Land, pro-t-in insbesondere im nordwestlichen Bereich Richtung Emsland tätig. Von 2024-2025 Begleitung für ein Vernetzungskonzept. Man stellte im Gespräch mit den Samtgemeindebürgermeistern fest, dass man anderen Teilen der Region gegenüber (z.B. Bäder im Osnabrücker Süden) nicht so ganz wusste, wo man steht. Was machen wir aus unseren Stärken? Wie können wir mehr daraus herausholen? Es musste erst einmal mit der eigenen Bevölkerung darüber kommuniziert werden um einen klaren Blick auf die eigenen Stärken zu gewinnen. Das hieß „Raus aus der eignen Bubble“. Problem: viele wussten nichts voneinander und erstellten je eigene Lösungsansätze anstatt gesamtheitlich zu denken. Beispiel: Gutscheinhefte.
Es gab bestimmte Punkte, wo Privates und Wirtschaftliches zusammenfällt, z.B. der Kulturschatz Artland. Durch eine Vielzahl an vermeintlichen Stärken werden die eigentlichen Stärken geschwächt (z.B. der Campingplatz Alfsee entfaltet Leuchtkraft, wobei viele andere Gemeinden auch schöne Plätze für Camper haben).
https://leader-nol.de/images/downloads/Vernetzungskonzept-NOL-2025.pdf
Pröhl: Was sind Grundelemente für die erfolgreiche Umsetzung der entwickelten Konzepte in der Praxis?
Fedler: Zusatzmotivation für die Aufstellung des IREK: GRW-Förderregion ermöglicht Förderung der Kommunen im Hinblick auf wirtschaftsnahe Infrastruktur (höhere Förderquoten sind so erreichbar, auch für Betriebe). Wie bringt man das zum Leben? Neue Legislatur (neuer Kreisrat, neue Gemeinderäte) muss zu neuen Strategien führen darüber, was wo wichtig ist und wo die knapper werdenden Mittel eingesetzt werden können/müssen. Wasserstoffversorgung in der Region ist gut mittels Fernleitungen, Wasserstoff soll Gase, z.B. bei der Georgsmarienhütte ersetzen. Landkreis unterstützt auch Kommunen bei der Installation von Anschlüssen an die Wasserstoffleitungen. Vernetzung der Agrifood-Branche tut ein Übriges, Nahverkehrsplan führt zum weiteren Ausrollen der Schnellbuslinien. Maßnahmen müssen strategisch-politisch begleitet werden.
Strakeljahn: zwei Stufen Gliederung: Maßnahmen nach innen, damit die Bürger sich mit dem Konzept identifizieren und mitgehen, darauf aufbauend Kommunikationsleitlinien.
Vermeidung von „Submarken“, die den Landkreis schwächen können. Großer Bedarf: Jemand, der das Heft des Handelns koordinierend und leitend in die Hand nimmt (eine Art Citymanager, Netzwerkkümmerer, der die ganzen Stränge zusammenführt und fördert).
Ewald: Regionalentwicklung muss auch im Sinne von Resilienz gedacht werden. Das hört an den Verwaltungsgrenzen nicht auf.
Strakeljahn : Unterschiedliche Denke im „Doing“ zwischen Deutschland und den Niederlanden. In Deutschland starke Strukturen und Abläufe, in den Niederlanden stärkere Flexibilität und Experimentieroffenheit.
Fedler: Der Kreis ist größer zu ziehen. Gute Grundlagen, auf die es nun gilt aufzubauen und sie fortzuentwickeln.
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