Europa in der Region - mal nachgefragt!

Roboterarm und Menschenarm nähern sich an, als Darstellung für Nutzung von KI in der Pflege
KI in der Pflege – können Roboter helfen?
vom 21.04.2026

Künstliche Intelligenz (KI) spielt eine wachsende Rolle in der Pflege, um die Effizienz zu steigern, die Versorgung zu verbessern und Pflegekräfte zu entlasten. KI-Systeme können repetitive Aufgaben übernehmen, Daten analysieren und personalisierte Pflegemaßnahmen vorschlagen.
Wie wirkt sich das in der Praxis der Pflegearbeit aus?

Unsere Impulsgeber dieser Veranstaltung

V56
@unios
Prof. Dr. phil. Manfred Hülsken-Giesler
Berufspädagoge, Lehrstuhl für Pflegewissenschaft, Universität Osnabrück
Dirk Tietz
@caritas
Dirk Tietz
Leitung Ambulante Pflege, Tagespflege, Betreutes Wohnen; Caritas Pflegezentrum Melle-Wellingholzhausen GmbH

Aspekte aus der Diskussion

Prof. Hülsken-Giesler: Das Thema KI in der Pflege wurde früher in Deutschland kaum diskutiert. Das änderte sich um 2010, als vor allem der Bund mit neuen Förderungen hervortrat. Stand der Diskussion: Bis 2030 fehlen zwischen 250.000 bis 500.000 Pflegekräfte. Es geht ans Geld, das ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Alle Pflegeberichte verweisen auf einen sprunghaften Anstieg der Anzahl an Pflegebedürftigen.

Grundsätze-Fragen: Was soll Pflege leisten? Brauchen wir berufliche Pflege oder ist die Pflege als „Jederfraus“ Tätigkeiten anzusehen? Es gibt mehrere politische Strategien zu dem Thema: Professionalisierung und Ausdifferenzierung, eine Transformation der Sorgegemeinschaften, von der traditionelle Familie hin zur Nachbarschaft oder zum Quartier, Kombination aus Laienpflege und Professionalität mit Digitalisierung (Diese ist dort eingebettet). Selbst der Deutsche Ethikrat beschäftigte sich mit dem Thema „Robotik für die Pflege“. Das Thema rückt näher, ist aber noch nicht bzw. kaum in der Praxis angelangt.

Rechtlich ist der AI-Act der Europäischen Union (Gesetz zur Künstlichen Intelligenz) das Maß der Dinge. Dort sind z.B. unannehmbare Risiken wie die Gesichtserkennung mit Verknüpfung der Gesundheitsbefunde aufgeführt.

  • ROBOTIK: Die Dynamik ist enorm, z.B. im Vergleich des Standes von 2015 bis 2026. (2015: Roboter fällt um; 2026: Roboter gewinnt Halbmarathon).
  • Prof. Wipp (München) untersuchte die EU-Förderung der Robotik und kam zu erstaunlichen Ergebnissen: Die EU betrachtet Robotik als Lösung für die großen sozialen Herausforderungen.
  • Wohlfahrtsverbände entwickeln derzeit KI-Strategien
  • Die Großindustrie muss einsteigen, ist aber derzeit noch unsicher. Wer zahlt: Die Kassen? Die Familien?

Grundsätzliche Fragen müssten aber auch diskutiert werden: Was verstehen wir unter Pflege? Unterstützt die KI eine wissensbasierte Pflege oder hindert sie? Pflege ist immer interaktiv und Beziehungsarbeit. Unterstützt KI und Robotik hier? Setzt der Technikeinsatz standardisierte Prozesse voraus? Das ist in der Pflege kaum möglich. Die Systematisierung von der Technik her gedacht. Jedoch müssten die Pflegenden diese Systematisierung vornehmen.

Als Tipp: Es gibt einen Wegweiser SMART HEALTH des Karlsruher Instituts für Technologie. Außerdem stellt die Bundesarbeitsgemeinschaft für Seniorinnen und Senioren (BAGSO) online Informationen zur Verfügung. Betroffene und Angehörige können sich also schon jetzt umfangreich informieren. Vielen ist das aber nicht bekannt.

Ein weiteres Feld ist die virtuelle Robotik mittels einer App. Fast 70% der Pflegenden unterstützen den Einsatz von Applikationen auf dem Smartphone oder sonstigen Computern. Aber diese Apps müssen gut und getestet sein, und das sind die meisten derzeit nicht. Die Frage ist nämlich: Ist die jeweilige App qualitätsgeprüft? Zur Pflege hat bislang noch keine einzige App die erforderlichen Prüfungen bestanden. Das Institut für Pflegewissenschaft startet nun ein Projekt in einem anderen Feld, dass aber auch hier helfen könnte: „Gemeinsam sorgen bei fortgeschrittenem Brustkrebs“ – für An- und Zugehörige. Solche Angebote werden künftig auch wachsen und im „Pflegemarkt“ ankommen. TELENURSING ist hier das Stichwort.

Die Gerätschaften für die Pflegenden sind in verschiedenen Industriezweigen – der Auto- oder der Bauindustrie – schon mehr oder weniger im Einsatz und erleichtern dort z.B. Bauarbeitern das Schleppen schwerer Zementsäcke. Es müsste eine Anpassung erfolgen, die insbesondere der Tatsache Rechnung trägt, dass viele Pflegende weiblich sind und nach bestimmter Zeit z.B. vermehrt mit Rückenproblemen zu kämpfen haben.

EMOTIONSROBOTIK: Zunehmend ist Einsamkeit der Pflegebedürftigen ein großes Thema. Der Roboter „Navel“ geht auf die jeweilige zu pflegende Person ein und merkt sich Dinge, die er im Gespräch mit dieser erfahren hat, z.B. Musikgeschmack. Nach anfänglichem Befremden gehen viele dazu über, diesen oder ähnliche Roboter zu akzeptieren und zu schätzen. Ein interessantes Projekt diesbezüglich wurde in den Niederlanden durchgeführt und in einem Dokumentarfilm festgehalten: „Ik ben Alice“.

VERNETZUNGSROBOTIK: Eine große Frage beim Einsatz der neuen Technologien ist auch die nach der Vernetzung und Steuerung innerhalb der Lebensräume der zu Pflegenden. Die große Mehrheit gibt an, innerhalb der eignen vier Wände alt werden zu wollen. Aber wie schaut es hier mit der technischen Infrastruktur aus? Angefangen von der Breitbandfähigkeit, über vorhandene Geräte bis zum SMART HOME muss dieser Komplex gedacht werden plus Unterstützung von außen. Stichworte hierbei sind: Tablet auf Rädern – also eine einfache Bedieneinheit, die barrierefrei auch von älteren Menschen innerhalb ihrer Wohnung zu handhaben ist und z.B. auf einem fahrbaren Gestell daher kommt; Robotik im Patientenzimmer – wo Geräte menschlichen Pflegenden nicht im Weg stehen sollten, was sie derzeit z.B. auf Intensivstationen immer noch tun; Drohnen für die Medikamentenlieferung gerade in ländlichen und abgelegenen Gebieten. Auch setze aber die EU mit dem AI-Act das Recht. Die Einteilung in vier Klassen – von der unbedenklichen bis zu unannehmbaren KI – gilt gerade auch im sensiblen Gesundheitsbereich.

Die grundsätzlichste Frage hier lautet: Welche Regelungen wollen wir uns als Gesellschaft hier geben vor dem Hintergrund einer noch nicht ersichtlichen Dynamik?

 

Dirk Tietz (Caritas Melle-Westerhausen): Die Frage, die sich derzeit in der Pflege stellt, ist eher die nach mehr HIGH TOUCH als HIGH TECH. Die Professionalisierung wird angestrebt, aber die Beziehungsgestaltung muss ans Bett und nicht ins Büro (viele hochqualifizierte Pflegekräfte rücken in der Hierarchie auf und sind dann nur noch mit Dokumentation beschäftigt, obwohl sie eigentlich gerne mehr in die tatsächliche Pflege tätig sein wollten). Ist es das, was wir wollen und was den Pflegeberuf ausmacht?

2009: das INTERREG geförderte „Living Lab“ nimmt die Arbeit auf: Hochschule, Landkreis und Kirche (Bistum) arbeiten hier bei der Weiterentwicklung der Pflege zusammen. Die Arbeit und Dokumentation wäre mittlerweile sogar papierlos möglich. Dem steht aber die Haltung der Kostenträger besonders bei Vergaben entgegen.

Seit 2011 gibt es vielversprechende Projekte im Bereich SMART HEALTH – aber eine Freigabe der Gelder nach Pilotphasen erfolgt nicht, weil die Finanzierungsfragen nicht geklärt werden (Wer zahlt den Regelbetrieb?) und so kann kein größerer Roll Out stattfinden.

Und so treten an die Stelle der umfangreicheren KI-Lösungen z.B. Erinnerungs-Apps, die die Medikamenten-Einnahme erleichtern sollen.

Ein wirkliches Problem beim KI-Einsatz ist die Haftungsfrage: wer kommt für Schäden auf (Roboter stößt die Oma um). Viele Firmen werden vermutlich argumentieren, dass z.B. ein Roboter nicht mehr ihr ursprüngliches Produkt ist, wenn dieser durch KI erweitert wurde.

Es liegt also daran, was die jeweiligen Einrichtungen aus der Sache machen. Zu einem echten „Gamechanger“ könnten z.B. Exoskelette werden. Diese sind vereinzelt schon im Einsatz und sollen Pflegende entlasten, damit diese den Pflegeberuf länger ausüben können und nicht z.B. wegen Rückenleiden vorzeitig aufhören müssen. Schwierig ist aber vor allem die umständliche Handhabung und das außerordentliche Gewicht der Anzüge, das hier viel Metall verarbeitet ist. Da die meisten Pflegenden weiblich sind, wäre hier über angepasste Formen und Materialien nachzudenken. So könnten Mitarbeitende z.B. in der mobilen Pflege z.B. in leichteren Exoskeletten aus Gummi noch Auto fahren, ohne die Apparatur ständig an- und ablegen zu müssen.

Die aktuellen Entwicklungen und der Wunsch nach dem effizienten Einsatz der KI in der Pflege sind wissenschaftlich zwar nicht untermauert, aber z.B. durch ständige Befragung der Mitarbeitenden belegt.

Auch die Dokumentation ist z.B. durch Apps, die Gespräche zwischen den zu pflegenden Personen und den Pflegenden aufzeichnet und später verschriftlicht, schon deutlich effizienter zu gestalten. Auch hier steht dem allerdings das Vorgehen und die Haltung der Kostenträger entgegen, die auf herkömmliche Verfahren bestehen.

 

 

 

 

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